MOTOVESPA 150S 2.SERIE

MOTOVESPA 150S 2.SERIE

Stell dich bitte vor. Wer bist du, wie schaut dein Fuhrpark aus?

Alex „Stani“, Vespafahrer seit 1989, seit 2009 Präsident der „Vecchi Cani Austria“ In meiner Garage/Werkstatt tummeln sich Vespaklassiker von Rally, Sprint, GS über Struzzo, VNB und PX, aber auch Fuffies und zum Darüberstreuen noch Modelle wie Bravo und Ciao.

Wie kam es zu diesem Projekt?

Ursprung der Idee war eine große geplante Tour, nicht ein vorhandener Roller. Zu der Tour wollte ich mir eigens einen O-Lack Roller mit Patina, aber neuer Technik bauen. Überbegriff und vielleicht auch passender Name des Projekts kommt aus der US-Oldtimerszene, wo man diese Mischung zur Zeit wohl RESTOMOD nennt.

Woher kommt der Roller?

Aus Spanien. Es handelt sich um eine Motovespa 150S, 2.Serie.

Wieso eine Motovespa?

In Italien habe ich leider nichts Passendes zu einem vernünftigen Preis gefunden. Außerdem sollte es ein 10“ Modell sein und auf alle Fälle älter als PX.

MOTOVESPA 150S 2.SERIE

D.h. du hast eine gute Basis um wenig Geld bekommen?

Nein, so war es leider nicht. Ich wollte eine orange GT, die war aber schnell vergriffen, so bot mir der spanische Verkäufer alternativ diese 150S an. Blindkauf mit nur einem schlechten Whats App Foto. Als die Lieferung kam, war die Ernüchterung groß: Jahrzehntealte, festgefressene Taubenkacke und Zementpatzen am ganzen Roller, der Motorblock im zentimeterdicken, betonharten Dreck eingehüllt, alles mit Flugrost übersät, der vordere Kotflügel bei der Lenksäule durchgerissen, im Holm am Bodenblech hat sich ein spanischer Mechanikerprofi mit einer dreieckigen Revisionsöffnung verwirklicht. Erster Gedanke war: Kärchern, weiterverkaufen und weitersuchen.

# FESTGEFRESSENE TAUBENKACKE UND ZEMENTPATZER AM GANZEN ROLLER

Warum hast du sie dann doch behalten?

Nach den ersten Reinigungsarbeiten kam das Wunder: Der Motor sprang sogar an und die Elektrik funktionierte (mehr schlecht als recht halt). Aber auf einmal erwachte in mir doch die Liebe zu diesem Roller, vor allem als ich mir das erste Mal die geniale Rückansicht genauer anschaute und mit ein bisschen Polierarbeit der alte Lack zum Vorschein kam. Da erkannte ich das Potential.

MOTOVESPA 150S 2.SERIE

Welche Technik ist verbaut?

Herzstück ist ein PX 200 „alt“ Motor mit 210 Malossi Sport 2016, 60er Stoffi DS Welle, Pinasco 26er Vergaser mit Airbox und Venturi, SIP Road 3.0 Auspuff, Cosa 2 Sport Kupplung (inzwischen mit stärkeren RACE Federn), SIP VAPE Zündung mit fixen ZZP.

Was sonst noch?

BGM Faster Flow Benzinhahn, 12V Conversion Kabelbaum, SIP Digitaltacho, PK XL Gabel samt Umbau auf Grimeca teilhydraulische Scheibenbremse vorne, BGM Dämpfer vorne, im Handschuhfach eine 12V Steckdose zum Navi laden, ein Zündschloss neben dem Benzinhahn und ein großes Gepäckfach unter der Seitenhaube. Außerdem die „SIP Spezial“ Felgen. Mit denen kann man Breitreifen bis 100/90-10 fahren, ohne die Schwinge kürzen zu müssen.

Der Seitenständer mit originalen 72° wurde von mir nochmals geändert/gekürzt, da der Roller mit den 100/90-10 Reifen ansonsten zu Gerade steht und bei geringster Berührung umfällt. Bei 3.50x10 Bereifung ist das kein Problem.

Was gefällt dir selbst am Besten?

Eigentlich der stimmige Gesamteindruck. Aber mein optisches Sahnehäubchen: Die Streamline Sitzbank. Nicht billig, aber die macht extrem was her und verändert die Rolleroptik nochmals radikal, man sitzt sensationell gut und die Verarbeitung ist Top. Mit Scharnier vorne. Auf die Sitzbank werde ich auch permanent angesprochen.

MOTOVESPA 150S 2.SERIE

Wie kam es eigentlich zu der Farbkombination beige/rot?

Das Thema mit den roten Eyecatchern kam eigentlich erst nach und nach durch Zufall. Die roten Ballongriffe hatte ich in meiner „Griffesammlung“, dazu irgendwann der rote Seitenständer. Dann noch die Felgen dazu lackiert und schließlich die Sitzbank mit roten Nähten und rotem Keder bestellt. Als Draufgabe noch den alten Reservekanister in Beige/Rot lackiert. Ich war selbst überrascht, welche geniale Gesamtoptik das ergab und vor allem, wie gut der Roller bei den Leuten ankommt.

Gab es Probleme/Schwierigkeiten?

Tja, wie üblich meist die Kleinigkeiten, die die größten Probleme machen: z.B. haben spanische Modelle sehr eigene Maße bei den Trittleistengummis bzw. Endstücken. Den 12V Conversion Kabelbaum samt Kabelbaum für den SIP Tacho (Steuergerät ist aus Platzgründen unterm Tank, nicht im Lenkerkopf) und alle Bowdenzüge unterzubringen. Den vorderen Kotflügel an die Scheibenbremse anzupassen, ohne die üblichen Ausbuchtungen spengeln zu müssen (wollte ich unbedingt vermeiden). Außerdem nicht ohne: Elektrik ohne Batterie, aber dann mit 12V Steckdose. Funktioniert zwar, aber der nötige Brückengleichrichter brauchte so viel „Grundstrom“, dass der Tacho und das Licht im Standgas ausgingen, sobald die Hupe gedrückt wurde (was beim Typisieren natürlich nicht gut kommt). Der 26er Pinasco war anfangs kaum einzustellen, auch in Verbindung mit SIP Road 3.0 Auspuff nicht einfacher. Offensichtlich gibt es da auch noch kaum Erfahrungswerte. Dann kam aber ein Tipp aus dem GSF: „Vergiss die ND mit 120er und 140er Endung, nur welche mit 160 verwenden“ - da hat es dann auch funktioniert. Der hintere Breitreifen streifte am Kupplungsdeckel (Abhilfe – Tipp aus GSF: DN988 Passscheiben an die Radnabe). Generell ist bei vielen kleinen und großen Fragen immer wieder das GSF und deren Mitglieder sehr hilfreich. Stellt man z.B. auf FB eine Frage in eine Gruppe, kommt prinzipiell nur kindisches Geplapper und Besserwisserei zurück.

# GSF MITGLIEDER SEHR HILFREICH

Ist der Roller fertig?

Wie bei den meisten Schraubern ist so ein Projekt wohl nie ganz fertig. Ursprungsidee war noch ein Schriftzug oder Pinstripe im „Hotrod Style“ auf den Seitenbacken, bin mir aber momentan nicht sicher, ob es nicht „too much“ ist. Für die eigentliche Tour baue ich mir diesen Winter noch ein Gepäcksystem. Einen maßgeschneiderten Gepäckträger mit den Funktionen und Halterungen, so wie ich das will, gibt es leider nicht von der Stange.

Muss (technisch) etwas geändert werden oder bist zu rundum zufrieden?

Für den Alltag ist der Motor momentan top und auch der Ganganschluss passt. Mit schwerem Gepäck (und mich als schweren Fahrer) durch die Alpen könnte es aber sein, dass ich noch auf einen kurzen 4. Gang umbauen muss. Außerdem werde ich wohl auf „Style“ verzichten und bei großen Touren auf 3.5x10 Zoll Standardbereifung wechseln. Da gerade hinten der Reifentausch mit den Breitreifen nur mit viel Aufwand und Gefummel möglich ist und ich gerne am Straßenrand darauf verzichten kann.

SEIN NEUES PROJEKT

Eine französische V50 Pedalo wartet schon lange auf ihre Wiederbelebung, ebenso eine O-Lack Komplettrevision/Restauration einer österr. GS150 VS5 (aus dem Hause Maitz). Außerdem geistert in meinem Kopf schon länger mal was aus dem Hause Piaggio mit 3 Rädern herum…