Vespa GS 160 Hurricane Grand Sport

Vespa GS 160 Hurricane Grand Sport

Wo ich wohne, im Tal der Täler, da gibt es keine Scooterszene. Nur ein paar Freunde, die hin und wieder mit ihren Vespas durch die Berge cruisen und gemütlich ein Bierchen zischen. Trotz der Nähe zu Italien, sind die bunten Schaltroller eher selten anzutreffen. Die Leidenschaft zum alten Blech ist aber hier bei uns trotzdem intakt, und der Wunsch ein neues Vespa-Projekt auf die Beine zu stellen war schon länger im Hinterkopf.

Vespa GS 160 Hurricane Grand Sport

Eines guten Tages lässt mir ein Bekannter ein Bild zukommen von einer GS 160 zum Restaurieren. “Endlich mal ein schönes Projekt,“ dachte ich mir, und kurzentschlossen verkaufte er mir den müden Hobel für ein paar Taler. Die „Grand Sport“ aus dem Jahre 1963 war leider Blau überlackiert und stand seit über 20 Jahren. Der Plan war eigentlich simpel: Ich wollte den Olack freilegen und die Technik machen lassen. Aber wie so oft im Leben, kommt es erstens anders, zweitens als man denkt.

# DER PLAN EIGENTLICH SIMPEL

Der blaue Lack liess sich beim besten Willen nicht entfernen. Weder mit Aceton, Abbeizer, Graffiti-Entferner noch mit Spucke. All das Wischen, Polieren und Kratzen half nicht und es wurde leider immer wie schlimmer. Unter dem blauen 2K-Lack, kam an den Backen und an der Kaskade, ein weiterer roter Lack zum Vorschein. Der Hobel sah so übel aus, dass er nicht mal mehr als Ratte durchging. Doch immerhin war der Roller rostfrei und die einmalige GS-Form wunderschön. Also musste das Kleidchen kurzerhand zum Strahlen auf den Tisch, bis sie völlig nackig war.

Vespa GS 160 Hurricane Grand Sport

Was nun? Plan A war für die Tonne und eine weisse Otto-Normal-Neulackierung schien mir zu langweilig. Obwohl die Puristen drauf bestehen, dass eine „Grand Sport“ immer in Weiss zu erscheinen hat. Die Idee, die Vespa ohne Lack oder mit einer künstlichen Patina kam auf und gefiel mir immer besser. Wenngleich man solche Roller nun immer öfters sieht, liess ich mich davon nicht mehr abbringen. Die Kiste landete also etwas später in Hamburg bei Scooter & Service, die für ihre Rawstyle-Lackierungen bekannt sind. Nach drei Monaten war die GS mit der neuen Patina-Lackierung wieder bei mir in der Garage und der Anblick war einmalig. Da schon mal ein grosses Kompliment an Wolle und seine Mannen von S&S. Zufrieden mit dem Resultat, ging es nun darum die Technik wieder fit zu machen und die Teile wieder anzubauen. Der Vorteil dabei war, dass man viele angerostete Teile nicht grossartig aufarbeiten musste. Die natürliche Patina, z.B. beim Lampenring, Kantenschutz, Schwinge, Tacho oder Hauptständer, fügte sich perfekt an die künstliche Patina der Lackierung. Die wenigen Neuteile, die etwas zu frisch aussahen, habe ich dann selbst mit einer ähnlichen Rawstyle-Methode lackiert.

Vespa GS 160 Hurricane Grand Sport

Das Herzstück, der Direktansauger-Motor, ging nach Zürich zu Bollag Motos, der die Vespa komplettierte. Der Motor wurde generalüberholt und kriegte ein Original-Tuning mit folgendem Setup:

Hurricane Kit 210 by Bollag Motos
- Original Gehäuse
- Aufgebohrter SS180 Zylinder
- Modifizierter PX200 Kolben von Grand-Sport
- Modifizierter MMW PX200 Kopf
- Pinasco Kurbelwelle
- Längere Primärübersetzung mit GS160 Getriebe
- Flytech Zündung
- GP One Tuning LüRa
- Polini 200 Box mit Grand-Sport Adapter
- Kupplung BGM Superstrong
- Federbein BGM PRO Sport
- SI 24 Vergaser

FAZIT

Die Restauration hat fast zwei Jahre gedauert und war all die Mühe wert. Vor mir steht ein zeitlos schöner Roller, der extrem Spass macht und trotzdem den klassischen Look bewahrt hat. Es gab viel Schweiss, Bier und schlaflose Nächte, die ich nicht missen möchte. Ein grosses Dankeschön an alle, die auf irgendeiner Art beteiligt waren.



Copyright © Fotos: Giger Graphics / The Snails, Vespa Club Leuk.