VESPA PX POSCH PERFORMANCE

VESPA PX POSCH PERFORMANCE

VESPA PX POSCH PERFORMANCE

Posted on August 23, 2021 by Jürgen Posch

Ursprünglich handelte es sich um eine PX 80 mit 5 PS am Hinterrad.
Mit dem Original hat die jetzige Vespa aber nicht mehr viel zu tun.
Weder optisch noch vom Motor… nichts blieb unangetastet und wurde alles in Eigenarbeit umgebaut.
Aber eins nach dem andren….
Der original Motor mit 80ccm wurde durch ein wahres Hubraummoster ersetzt. Dazu wurde das PX Motorgehäuse durch ein deutlich massiveres BFA Gehäuse getauscht der dann auch genügend Platz hatte um einen Honda CR500 Zylinder aufnehmen zu können. Dieser Zylinder hat eine Bohrung von 89,5 mm und generiert zusammen mit der BFA Kurbelwelle (64mm Hub) satte 402ccm. Damit der Wassergekühlte Honda Zylinder überhaupt auf das PX Gehäuse passte, musste dieser massiv umgearbeitet werden. Nach vielen Arbeitsstunden, Messen und Fräßen hat der Zylinder dann doch seinen Platzt gefunden.
Ein richtig massives Getriebe und eine ordentlich Kupplung ist natürlich auch verbaut, um den Drehmoment-Ansturm auch Herr zu werden. Das Ganze wird von einem 38mm Vergaser versorgt mit einer großen Membran und Eigenbau Ansaugstutzen.
Angesaugt wird alles über einen 70mm Schlauch der in den Rahmen geht, und weiter in eine Airbox die unter der Seitenbacke liegt, damit der Lärmpegel in Zaum gehalten wird. Eine passende Auspuffanlage musst ich mir natürlich auch selber bauen da es sowas ja nicht zu kaufen gab. Dazu hab ich mir einen Orginal Box-Auspuff besorgt und aufwändig umgebaut. Die Box ist auf die doppelte Größe angewachsen und wurde mit einem zusätzlichen Endschalldämpfer versehen um das Db-Gerät vom TÜV-Prüfer in den grünen Bereich zu bringen. Der Motor bringt mit dem Boxauspuff knappe 60 PS und 55 Nm mit Druck in allen Lebenslagen und zudem noch auf einen Geräuschniveau das nicht recht viel lauter ist als eine original PX.
Ich habe dann Interesse halber noch einen Resonanzauspuff gebaut und die Steuerzeiten am Zylinder entsprechend angepasst um mal zu schauen was da noch gehen würde in Sachen Motorleistung. Das ging dann sehr schnell in die Richtung von 73 PS und 60 Nm am Hinterrad.

Für die Straße ist das aber dann nichts mehr.


VESPA PX POSCH PERFORMANCE

Und da sind wir ja schon beim Thema:
Bei dem Roller ging es mir nicht nur um Leistung, sondern diese musst man ja auch auf die Straße bekommen. Ziel war es, eine Vespa aufzubauen die auch mit viel Leistung noch gut fahrbar bleibt.

Und da ist schon das Problem, so eine Vespa ist weder für viel Leistung, und noch weniger für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Kurzer Radstand, kleine Reifen, schlechte Gewichtsverteilung und eine Aerodynamik wie ein Kühlschrank.
Eine Vespa bleibt eine Vespa, aber ich hab zumindest versucht, diese in eine Richtung zu bringen, was Sie fahrtechnisch näher an einem Morad bringen soll.
Als erste muss die Schlechte Gewichtverteilung optimiert werden. Optimalerweise sollte das bei ca. 50-45% vorne liegen und 55-55% auf der Hinterachse. Bei einem original Roller liegen die Werte eher bei 35%vorne und 65% hinten. Was schon sehr weit weg ist vom Optimum. Zudem kommt noch dazu, dass auch der Fahrer, der ein zu einem erheblichen Teil der Gesamtmasse beiträgt, recht weit hinten sitzt. Da der Fahrer Platzbedingt aber schlecht weiter nach vorne kann, muss eben der Drehpunkt bzw. die Hinterachse weiter nach hinten. So wurde der Motor um 3,5cm nach hinten versetzt. Was sich einfach anhört zeiht aber leider viel Arbeit nach sich. Es musste unter andrem die Federbeinaufnahme umgearbeitet werden und die Karosserie, so dass der Motor und der Dämpfer wieder frei einfedern können.

Die Zweite Idee um mehr Gewicht nach vorne zu bringen, war den Tank, der normalerweise unter der Sitzbank sitzt, in das Handschuhfach am vorderen Beinschild zu verlegen. Das brachte nochmal mehr als 14 kg, die auf die Vorderachse umverteilt wurden. Der Umbau war aber alles andre als leicht. Ich wollte im Handschuhfach unbedingt die Gepäckklappe erhalten, um zumindest noch zwei kleine 2 Takt Öl Dosen reinstellen zu können.

Insgesamt bin ich dann bei einer Gewichtverteilung gelandet von 42% vorne und 58% hinten, was dem ideal schon deutlich näher kommt. Und das hat sich mal so was von gelohnt. Trotz knapp 60 PS kann man bei vollem Tank den 1. Gang voll Durchbeschleunigen ohne der Gefahr einen Überschlag nach hinten zu machen und man bekommt spätestens im 2. Gang die volle Power auf dem Boden. Das geht dermaßen vorwärts, was man von einer alten Vespa im leben nicht erwarten würde. Wie Walter Röhrl schon sagte… „die Tränen der Ergriffenheit müssen waagrecht zum Ohr hin fliesen“ Kein Vergleich mehr zu einer Original PX.

Positiver Nebeneffekt der besseren Gewichtverteilung ist auch eine deutlich sattere Straßenlage in Kurven, da das Gewicht geleichmäßiger vorne und hinten verteilt ist. Das fühlt sich dann auch wesentlich sicherer an und das Handling ist um Welten besser.

Damit der Roller auch jenseits der 100 km/h Marke noch stabil läuft, wurde zum einen 11 zoll Felgen und Reifen verbaut anstatt der original 10 zoll. Größere Reifen bieten halt viele Vorteil, die Übersetzung wird länger, man gleitet über Unebenheiten besser hinweg, der Nachlauf bzw. Geradeauslauf wir stabiler. Der Nachlauf wurde durch eine um 1cm längere Schwinge nochmal erhöht. Um den Geradeauslauf noch weiter zu verbessern wurde die massive Cosa Gabel noch ein wenig nach vorne gezogen um den Lenkkopfwinkel etwas flacher zu machen. Das brachte zum einen nochmal etwas mehr Nachlauf und der Radstand ist nun um 12,5 cm in die Länge gewachsen. Der Roller ist jetzt zwar nicht mehr ganz so agil und wendig, aber läuft bei hohen Geschwindigkeiten deutlich stabiler. Man kann eben nicht alles haben.

Gebremst wird der Roller mit einer Vollhydraulischen 4 Kolben Bremsanlage die ordentlich zupacken kann. Hinten wird auf kurz oder lang noch die Trommelbremse einer Scheibenbremse wichen müssen. Das Fahrwerk mit verstellbarer Zug und Druckstufen, sowie Federvorspannung lassen sich perfekt auf die neue Fahrwerksgeometrie einstellen und runden das Ganze nochmal schön ab.

VESPA PX POSCH PERFORMANCE

Optisch hat sich natürlich auch einiges getan.
Die Seitenbacken, Handschuhfach, Kaskade und der Kotflügel sind von einer Vespa GS. Dazu kam noch ein Lenker von einer alten VBA und eine schöne Sitzbank. Die Karosserie wurden zudem auch zusätzlich an allen Stellen verstärkt wie z.B. die Motoraufnahmen, der Rahmentunnel und auch das Beinschild, so dass der Roller in sich viel steifer und stabiler geworden ist. Aber es wurden auch ein paar Raffinessen eingebaut. Die Motorseitige Backe ist z.B. zum hochklappen wie bei einer Motorhaube. In die Linke Seitenbacke wurde ein Gepäckfach etabliert sowie auch unter der Sitzbank wo vorher der Tank war. Das ganze Heck wurde schön rund gestaltet so das es zu der alten Optik besser passt.

Die Elektrik wurde natürlich auch komplett selbst gestrickt und bietet alles was man braucht, von LED Scheinwerfer, Drehzahlmesser, Geschwindigkeitssensor, Temperanzeige, Voltanzeige, USB Steckdose, Tankanzeige, Digitaltacho, Alarmanlage usw.

Die Lackierung habe ich bewusst in diesen „after Race Look“ gemacht. Zum einen will ich den Roller ja viel auf Touren fahren und eben den Roller benutzen. Da kommt halt schnell mal ein Kratzer oder eine Delle ins Blech Bei einer schön lackierten Vespa ärgert man sich dann schnell über jede Kleinlichkeit. Mit dem etwas schäbigen Look ist jeder Kratzer eine schönes Andenken und macht den Look eher besser wie schlechter. Das Waschen und Polieren kann man sich auch sparen, ist also sehr Pflegleicht und macht wenig Arbeit. Zudem braucht man sich bei der Lackiervorbereitung nicht so viel Mühe geben. Es wurde nur das gröbste Verzinnt und nichts gespachtelt oder groß geschliffen. So kommt der Look eh besser zur Geltung mit ein paar unsauberen nicht perfekten Stellen. Zudem sollte noch mein Firmenlogo und ein paar Rennstreifen mit drauf, das ich mit Transferdruck auf den Roller etabliert habe. Das macht den Roller nochmal zu einem echten Hinkucken und absolut Individuell so wie ich das haben wollte.

VESPA PX POSCH PERFORMANCE

Es steckt sehr viel Arbeit in dem Projekt, aber es hat sich allemal für mich gelohnt. Sowohl optisch aber auch besonders das Fahren mit dem Roller ist kein Vergleich mehr zum Original. Ich hab genau das erreicht was ich mir vorgenommen habe. Trotz der Brachialen Leistung lässt sich der Roller in allen Lagen super fahren. Der Roller ist so auch legal auf der Straße unterwegs, was aber weder einfach noch billig war. Alle Umbaumaßnahmen wurden vorab mit dem TÜV besprochen und Dokumentiert so das es bei der Abnahme relativ reibungslos mit der Zulassung geklappt hat.


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