SELLA RONDA

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Posted on September 19, 2020 by Bernd L.

Ein Berg, vier Pässe, knapp 2300 Höhenmeter und zwei alte Vespas. Es war das erste Wochenende an dem Italien nach dem Corona-Lockdown die Grenzen für Ausländer wieder öffnete und eigentlich wollten wir nach Norddeutschland aber da waren die Beschränkungen für Camper schärfer und wir fuhren nach Südtirol. Mein Freund, der mitbekam dass wir in Südtirol sind wurde sofort angefixt und kam ebenfalls mit Familie und Vespa kurzentschlossen nach Südtirol.

SELLA RONDA

Im Vorfeld hatte ich die Sellaronda mit meiner 55 Jahre alten Vespa Sprint und meiner Frau als Sozia fest ein geplant und auch mein Freund hatte große Lust, dieses Abenteuer das uns in die Dolomiten führte, mit seiner Vespa ET3 mit zu erleben. Am Samstag, nach zwei durchwachsenen Tagen mit Regen und vielen Wolken hatten wir nun herrlichstes Wetter mit blauem Himmel und viel Sonnenschein. Es ging zunächst von Dorf Tirol oberhalb von Meran nach Lana wo wir unseren Freund abholten. Von dort ging es zu dritt mit zwei alten Vespas durch die Obstgärten auf der alten Weinstraße nach Bozen und dann kam schon der erste Anstieg, ein kleiner Pass nach oben.

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Ich fuhr mit Navi, die Strecke bekam ich über mein Headset angesagt und vertraute der Jungen Dame die mir den Weg ansagte aber anscheinend hatte ich nicht immer Empfang und wir hatten uns verfahren. Die Strecke war zwar auch wunderschön und ein Erlebnis aber wir hatten durch das mehr an Strecke gravierende Spritprobleme bekommen. Gerade noch rechtzeitig kamen wir wieder nach unten ins Eisaktal und fanden auch schnell eine Tankstelle. Fortan ging es einfach per Wegweiser auf der alten Brennerstasse Richtung Norden um dann zielsicher in das Grödnertal nach Wolkenstein abzubiegen. Es ist schon faszinierend wenn man durch das sanft geschwungene Tal fährt und sich aus zuerst einzelnen, kurzen Blicken dann ein imposantes Bergmassiv vor einem Aufbaut. In Wolkenstein stehen wir direkt vor unserem Abenteuer. Groß, mächtig, gewaltig und mit Worten nicht zu fassen steht sie vor uns, die Sella. Zwar erst auf 1600 Meter Höhe aber ich hatte schon gravierende Probleme mit der Luft und änderte die Bedüsung bevor es direkt zum Grödnerjoch auf 2136m ging.

SELLA RONDA

Es war relativ wenig los aber doch noch genügend Motorradfahrer unterwegs. Die Sella Ronda ist halt einfach begehrt bei allen Bikern und gehört mit zu den schönsten Motorradtouren die es gibt. Die meisten Zweiradfahrer sind zwar flott unterwegs aber fahren doch sehr bedacht, bei so manch einem aber hatte man den Eindruck, dass er die Runde nicht lebend beenden wollte. So dauerte es auch nicht lange und die Straße war wegen eines schweren Motorradunfalls gesperrt. Gerade noch im Rausch der beeindruckenden Bergwelt der Dolomiten und dann wird einem vor Augen geführt dass man diese Runde mit bedacht genießen sollte. So ging es dann auch weiter hoch auf die Passhöhe am Grödnerjoch in 2136 m. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf das Sellamassiv und den Langkofel im Hintergrund, dem wir später noch ganz nah sein werden.

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Auf der anderen Seite ging es hinab nach Altabadia und die äußerst schlechte Straße forderte unsere höchste Aufmerksamkeit. Risse in der Fahrbahn, Spurrillen und sogar meterlange Stellen die nicht asphaltiert und nur mit Kies aufgeschüttet waren begleiteten uns bis ins Tal.. In Altabadia ging es dann in der Ortsmitte rechts weg zum Passo Campolongo. Dieser ist der kleinste und unauffälligste Pass der rund 50 km langen Runde um die Sella. Würde auf der Passhöhe in 1875 m kein Passschild stehen so wäre er nicht wirklich als Pass erkennbar. Dennoch ist es auch hier wunderschön und er gehört genau so zur Sella Ronda wie die anderen drei Pässe. Auch können sich unsere zwei alten Damen hier ein wenig erholen bevor es dann in Arabba hoch auf das Pordoijoch geht.

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Für mich war die Auffahrt zum Podoijoch die aufregendste, da ich erstens diesen Pass noch nicht kannte und er meiner Meinung nach am anspruchsvollsten war. Auch hier oben auf 2239 m ist man sehr dicht an der Sella dran, sieht direkt wieder auf den Langkofel oder besser auf die Langkofelgruppe, da diese jetzt in ihrer vollen Pracht zu sehen ist. Auch hat man einen wunderbaren Blick auf den höchsten Berg der Dolomiten, die Marmolata mit ihren 3343 m.

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Ein Kurzer Aufenthalt am Souvenirshop, schnell mal auf die Toilette, paar Bilder von der Bergwelt geschossen und schon geht es runter nach Canazei im Fassatal. Hier machen wir vor dem Anstieg zum Sellajoch unsere Tanks nochmal voll und schon geht es wieder bergauf zu unserem vierten, letzten und höchsten Pass.

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Diesmal sind 775 Höhenmeter zu überwinden um oben auf dem Selljoch in 2240 m Höhe die schönste aller Aussichten dieser Runde zu genießen. Man steht direkt zwischen der Langkofelgruppe zur rechten und dem Sellamasiv zur linken und hat zudem eine herrlichen Blick auf die Marmolata und hinunter ins Fassatal. Auf der anderen Seite sieht man hinüber zum Grödnerjoch und ins Grödnertal wo unsere Tour uns jetzt auch hinführte. Nochmal entlang am Sellamasiv und an einer Kreuzung hätte man wieder hoch zum Grödnerjoch fahren können aber uns führte die Route hinunter nach Wolkenstein.

Die Sella Ronda haben wir geschafft und wir sind auch dementsprechend stolz darauf und auf unsere Vespas. Diese Runde mit klassischen Vespas zu fahren ist eine Herausforderung an Mensch und Maschine aber auch Vespafahren mit Stil. Alte Technik die wirklich Spaß macht und mit nichts zu vergleichen ist.

Von Meran in die Dolomiten und wieder zurück ist diese Runde 210 km und eine schöne Tagestour. Wir hatten ja am Anfang einen kleinen Umweg und sind somit ca. 270 km gefahren aber jeder dieser Kilometer hat sich gelohnt und werden immer in Erinnerung bleiben.


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