VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

Posted on Juli 14, 2021 by Philipp Megerle

Irgendwie hatte ich schon immer mit diesen italienischen Kisten zu tun… ich hatte Freunde, die daran rumgeschraubt haben, habe mich auf dem Skateboard damit ziehen lassen, bin selbst das ein- oder andere Mal mit der eines Kumpels gefahren, habe Stürze und Unfällen mitbekommen und habe den typischen Benzin-Talk damals eher mit einem kurzen aber interessiertem Nicken quittiert… „Aha…kürzeres Primär…Steuerzeiten…Bedüsung…Cosa Kupplung…mhmm…ja, super.“
Die totale Ansteckung hat mich in meiner Jugendzeit aber noch verschont…zu viel andere Dinge im Kopf, zu wenig Kohle, nicht wirkliche Schraubergene und keine Ahnung…
Und trotzdem stehe ich jetzt da mit Ü40 und meine Garage quillt langsam, aber sicher über an „altem Blechschrott“ - wie es wohl manch einer nennen würde.
Vor einigen Jährchen war es dann nämlich doch so weit, dass nun endlich mal eine eigene Vespa her musste. Eine V50 von 1974 – die natürlich erstmal lief wie ein Sack Nüsse.
Und so wurden direkt erste Schraubererfahrungen gesammelt, der vom Italiener montierte 75er Polini in der „komplett originalen“ Kiste entdeckt und schon bald hatte mich das Fieber endgültig gepackt.
Und es war nicht nur das Fahren, der Geruch von 2-Takt Benzin oder das typische Knattern, das wir alle schätzen und lieben…viel mehr war es auch das Schrauben, die öligen Finger, das Tüfteln, Herumprobieren und Optimieren… und nach ein paar tausend Kilometern auf meiner kleinen 75er stand fest, es muss dann doch bald noch etwas Größeres her.
Wie es so ist, beginnt man sich um zu sehen und schneller als man denkt läuft einem das passende Material fürs Projekt über den Weg. So war es bei mir 2018 eine komplett zerlegte VNB6t von 1965. Projektabbruch – eig. das wovon man die Finger lassen sollte. „Fast“ komplett… immerhin war der Rahmen gerade im Original Max Meyer Farbton neu lackiert worden… und bis auf Kleinteile schien auch alles dabei. Sogar ein Beleg aus dem Jahr 1982 für die verzollte Einfuhr aus der Schweiz nach Deutschland. Geschätzter Wert durch den Zollbeamten damals: 150 Deutsche Mark. Ganz so billig konnte ich die Kiste nicht mehr erwerben, dennoch wurde sie gekauft und erstmal im Keller eingelagert.

VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

2019 habe ich dann langsam mit dem Projekt begonnen – mittlerweile hatte sich der Plan schon etwas konkretisiert. Ich wollte einen schönen Tourenroller, der kein Leistungswunder werden musste, aber mit dem man gut auf der Landstraße vorankommen und der auch die ein oder andere Tour in die Berge mitmachen sollte.
Der Plan hieß also PX Motor, PnP Tuning und PK Gabel mit Scheibenbremse.
Beim genaueren Begutachten des Rahmens fiel mir dann erstmal auf, dass der einen Haufen kleiner Löcher von i-welchen Sachen hatte, die irgendwer da irgendwann mal dran geschraubt hatte und die ich eig. vorm Lackieren verschlossen hätte… wenn ich die Kiste vorm lackieren schon in der Hand gehabt hätte. Na, egal… ich beschloss die Löcher trotzdem zu verschließen und dann die Stellen halt nochmal beizulackieren. Vom Lack hatte ich noch etwas mitbekommen…
Wie aber so oft bei Projekten entwickelte sich von nun an die Idee immer mehr in eine andere Richtung. Wenn ich schon nochmal beim Lack bei musste, warum dann nicht etwas Eigenes machen?
Die Patina der O-Lack Roller hatte mir schon immer gefallen und ich hatte auch schon „gefakte“ Patina gesehen, die ich richtig gut fand. Mir gefiel zum Beispiel auch der Raw-Style den Wolle und seine Jungs bei S&S in Hamburg immer wieder produzierten. Als Grafiker und Illustrator wollte ich von Anfang an auch i-eine eigene Note auf dem Roller hinterlassen.

VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

Dabei schwebte mir schon die ganze Zeit ein Pin Up im Stile der Flugzeug Bemalungen der Amis aus dem 2. Weltkrieg vor – bekannt unter dem Begriff „Nose Art“. Schnell war der Entschluß gefasst – der Roller sollte einen Patina Look bekommen und ich würde ihm eine Pin Up Bemalung verpassen.
Aus der Idee mal eben einen bisschen flotteren Roller zusammen zu basteln, wurde also immer mehr ein „Custom-Projekt“. Ich entschied mich die Patina rein mit Airbrush Farben und Techniken zu realisieren. Hierzu probierte ich erstmal ein paar Wochen an Probeteilen herum, bis ich für mich eine Methode gefunden hatte, die ein für mich zufrieden stellendes Ergebnis brachte. Noch ein paar Wochen später und der Roller „erstrahlte“ in seinem neuen, patinösen Kleid.
Beim Motor war schnell ein PX125er Motor gefunden, den der Vorbesitzer mit DR177 Kolben, GS Ringen, BGM superstrong Belägen und BigBox Touring aufgebaut hatte. Da der DR schon etwas mitgenommen aussah entschied ich mich noch einen BGM177er zu montieren – so war viel. auch noch etwas Potenzial für später übrig.
Meine Gabel ließ ich mir bei einem der üblichen Verdächtigen im GSF bearbeiten. An die Anpasserei des Kotflügels machte ich mich selbst. Um das Herausdengeln einer kleinen Beule, um Platz für den Dämpfer zu schaffen, kam ich aber nicht herum, da ich diesen auch nicht schief stellen wollte.
Einen Großteil meiner Anbauteile ließ ich mir bei einem Freund schwarz pulvern und die, die ich noch vergessen hatte, habe ich kurzerhand lackiert. Hinzu kamen natürlich noch ein Haufen weiterer Arbeiten und kaum ein Teil wurde nicht in irgendeiner Form individuell angepasst oder modifiziert.

VESPA VNB6T THE RUSTY ROCKET

So besorgte ich zum Beispiel noch einen Lenkkopf einer VBB, da mir dieser mit der Finne und dem Muscheltacho einfach viel besser gefiel als der der VNB.
Hinzu kamen BGM Pro Stoßdämpfer, SIP Alu Felgen mit Schlauchlosreifen, Streamline Sitzbank, SIP Bremssattel, MWW Bremspumpe, neuer Kabelbaum mit kleiner LiFePO4 Batterie, um den SIP Digitaltacho und die Moto Gadget Lenkerblinker mit Gleichstrom zu versorgen und sicherlich noch ein Haufen Kleinteile, die ich jetzt vergessen habe.
Auch wollte ich unbedingt einen Lenkerendenspiegel montieren – bei einer alten Vespa gar nicht so einfach, da es bei den Modellen dieses Alters ja auch keine Blinkerinnenrohre gibt. Also habe ich hier noch ein System „ertüftelt“ bei dem ein dünnes Stahlrohr durch eine Hohlschraube im Lenkkopf in den Griff geführt wird, dort durch ein Kugellager zentriert und stabilisiert wird und an dessen Ende sich ein Gewinde befindet an dem ich meinen Motogadget Spiegel montieren konnte.
Abschließend bekam Sie, sozusagen zur Taufe, noch Ihren Namen „The Rusty Rocket“ und eben besagtes Pin Up aufgepinselt, bevor dann endlich alles zusammenfand und ich das Baby fertig stellen konnte. Inzwischen hat die Kleine TÜV und auch schon die ersten Touren hinter sich… und ich schon wieder neue Ideen im Kopf für die ein oder andere kleine Modifikation.


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