VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Posted on Mai 29, 2021 by Norman Jürgensen

Da stand ich da, mit einem Eis in der Hand an einer Fußgängerampel in meinem Lieblingsstadtteil Ottensen. Als auf einmal etwas Lautes aus der Ferne angefahren kam und in Windeseile und noch viel lauter an mir vorbeischoss.
Was war das denn? Ne, Smallframe Vespa. Soviel habe ich auf die schnelle erkannt. Aber irgendwie war die anders.
Ich selber fuhr zu der Zeit eine schwarze Px 200 die ich vor kurzem über Ebay Kleinanzeigen in Bremen für Heutzutage lächerliche 900 Euro gekauft hab. Gut, das Schaltkreuz war hin. Die Gänge sprangen gefühlt 1Million mal auf dem Weg von Bremen nach Hamburg raus.
Zu Hause angekommen wurden meine alten Bestände an Teilen durchforstet. Einen alten SIP Drop hatte ich noch liegen, GFK Sitzbank und das obligatorische Riffelblech auch. Also das typische für einen 90er Jahre Look. Sie war von nun an der mein täglicher Begleiter bei Wind und Wetter.

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Aber dazu später mehr.

Meine erste Berührung mit einer Vespa führt ins Jahr 1994 zurück als ich die ersten , von einem Klassenkollegen ausgeliehenen Motorettas für einen Krankenhausaufenthalt zum lesen bekam. Ich selber war zu dem Zeitpunkt grad mal 15 Jahre jung und fuhr eine alte, rote Piaggio Si Mofa. Und die fuhr ich auch stolz bis zum Erwerb des Autoführerscheins durch.
1998 kam dann der Autoführerschein und mit dem ersten Auto zusätzlich auch eine weinrote Vespa PK 50. Die Si Mofa wurde dann an einen alten Herren aus meinem Heimatdorf verkauft. Das war dann der „Blechroller-Start“ für mich.
Bald wurden die ersten Scooterruns angesteuert. Red Berets SC in Neumünster, Kelten SC in Lübeck. Aufgrund meiner Fuffi leider hauptsächlich nur im Norddeutschen Raum.
Anfang 2000 gab´s dann den Motorradführerschein und mit ihm über die Jahre noch diverse weitere Roller wie: Eine nagelneue PX 200 Millenium, eine spanische Vespa T5 und 2 Skr´s.

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Im Jahre 2005 bin ich dann aus der Heimat nach Hamburg gezogen und hab das „Thema Vespa“ ein bisschen schleifen lassen. In der Großstadt gab es für mich zu dem Zeitpunkt eine andere Leidenschaft. Ich tingelte durch diverse Bars und Clubs der Hansestadt und Berlins und legte House-Musik auf. Aber irgendwie war dieses Rollerding immer noch in meinem Kopf. Ich kam da nie so wirklich von los.
Mindestens 1-2 mal die Woche stöberte ich interessiert im Germanscooterforum und war somit über die ganzen Neuheiten bestens informiert. Ich hatte zu der Zeit zwar aktuell keinen Roller mehr, wusste aber dennoch das mittlerweile die Englischen oder italienischen Auspuffanlagen gegen die neuen Deutschen Anlagen keinen Schneid mehr haben.
Im Jahre 2010 kaufte ich mir dann aber die besagte schwarze PX 200 aus Bremen. Der Daily Driver.
Wenn man in Hamburg Ersatzteile brauchte, besorgte man sich die meistens bei Scooter & Service in Bahrenfeld. Eines Tages brauchte ich mal wieder ein bisschen was und fuhr zu rüber S&S. Das lief dann meistens wie folgt ab:
Vorne am Tresen bei Stefan ein paar Teile geshoppt und dann kurz nach hinten für einen Plausch zu Helge und Wolle in die Werkstatt.
Und da stand auf einmal die Smallframe aus Ottensen. Sie gehörte einem Mitarbeiter. War ja auch irgendwie klar, dass dieses Geschoss aus dem Dunstkreis der Hamburger Tuningschmiede kam.
Basis war augenscheinlich eine Vespa PK, ziemlich schräg angesetzte Primavera Backen und ein Wassergekühlter Zylinder mit dazugehörigen Kühlern hinterm Beinschild ließen den Roller unglaublich martialisch erscheinen. Alles war High End und ganz oben aus dem Regal gegriffen.
Ich war Fan.

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Am meisten aber hat mich der Look geflasht. Mit dem quasi nicht vorhandenen Lack. Der Roller wurde, wie sich in einem Gespräch mit dem Besitzer herausstellte, im blank geschliffenen Zustand mit Owatrol Öl versiegelt. Das hielt der Witterung stand und war von nun an der letzte Schrei um alte patinierte, oder neu auf alt getrimmte Roller vor Umwelteinflüssen zu schützen.
Sowas wollte ich auch.
Ca. Eine Woche später stand meine schwarze PX in Teilen bei einem Hamburger Strahlunternehmen und wurde, glaub ich, mit Korrund vom schlecht lackierten Dosenlack befreit und kam einige Tage später farblos zurück. Gut, aber noch nicht perfekt für das Finish das ich anstrebte. Den Rest hat dann das Schleifvlies, Schleifschwämme und diverse Polieraufsätze für den Winkelschleifer erledigt. Versiegelt wurde das ganze dann mit diesem Owatrol-Öl. Irgendwann war der Rahmen samt dazugehörigen Anbauteilen fertig und stand auf Ikea Böcken in meinem WG-Zimmer in Hamburg Altona.

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Ich kaufte für viel Geld beste Teile und wollte sie im ganz großen Stil aufbauen. Leicht verplant wie man mit 30 Jahren in der Großstadt nunmal ist (???), ging das kontotechnisch derbe nach hinten los. Der Roller stand monatelang im WG-Zimmer und wartete auf Fertigstellung.
Und wartete. Und wartete.
Eines Tages kam mein bester Freund Dominic auf mich zu und bat mich ihm den traurigen Haufen Metall zu verkaufen! Ja, okay. Ich war raus. Soll er mal machen.
Der Roller wurde von ihm zu Scooter & Service transportiert und dort final aufgebaut. Motor, Fahrwerk, Elektrik.

Dominic, in Berlin lebend, fuhr den Roller noch ein paar Jahre bis ich ihm den im Jahre 2018 wieder zurückkaufte, überholte und jetzt endlich über Hamburgs Straßen scheuchte. Nach und nach gab es das ein oder andere „Upgrade“ in punkto Optik, Motor und Technik. Somit war der Roller stehts aktuell und auf Höhe der Zeit.
Im Winter 2020 /21 gab es nochmal ein größeres „Refit“. Motortechnisch wurde nix verändert da er nach der letzten Revision grad mal 1000 km lief. Corona sei schuld. Es wurden ja auch so gut wie keine Treffen angesteuert.

VESPA PX 221 INDUSTRIAL - NO SERVICE

Der Roller wurde bis auf den Motor quasi nochmal komplett neu aufgebaut und vom mittlerweile in die Jahre gekommenen und vergilbten „Owatrol-Lack“ befreit. Die neue Optik habe ich bewusst etwas „rougher“ und nicht ganz so clean gestaltet. Ich wollte nicht einfach wieder nur eine abgeschliffene Optik. Das wäre mir zu hell und langweilig gewesen. Sondern ein bisschen dunkler sollte der Roller daherkommen. Trotzdem sollte der Roller vom Look an sich der alte bleiben, Startnummer und Kästchen sollten auch wieder ihren Platz finden.
Ich hab versucht Owatrol Öl mit Farbpigmenten zu mischen. Was aber leider nicht so wirklich funktionierte. Kaum aufgetragen, liefen die Pigmente von den Flächen wieder runter und landeten in den Falzen und Sicken der Karosserie. Die Erlösung fand ich dann letztendlich in einem transparenten Lack. Ich lackierte die Teile mit einem Sprühnebel von diesem Lack ( lustiger Nebeneffekt: wenn´s Abends dämmert, wirkt der ganze Roller dunkler. Bei Sonnenschein genau das Gegenteil ). Ich fakte Ölnebel mit Wischtechnik, erzeugte Patina und Flecken mit Kupfer, Gold, Braun, Schwarz, usw
Am schwersten waren jedoch die Kunstoffteile wie Lenkkopfabdeckung und Kaskade in die Optik zu bekommen. Das hat ein paar Tage und diverse neue Anläufe gebraucht.
Versiegelt wurde dann zu guter letzt alles wieder mit dem alt bewährten Owatrol Öl. Dafür, dass ich diese Arbeit unter einem Baustrahler, in meinem kleinen angemieteten Eckchen, im dunklen Gewölbekeller der Lüneburger Innenstadt erledigt hab, bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

Nun steht der Roller zu 100% genau nach meinen Vorstellungen aufgebaut vor mir und wird nie wieder weggegeben!

Auf diesem Wege möchte ich mich auch nochmal für den Support bei: Jochen von der Rollernarr´n Garage, Wolle und Team von Scooter & Service, Meinen Hamburger Rollerjungs & Markus Mutter, Marek aus´m Spielzimmer Eimsbush herzlich bedanken.


Copyright © Alle Fotos sind Eigentum der jeweiligen Hersteller.